Engagierte Einzelkämpfer bauen digitale Infrastruktur am Gymnasium Gernsheim auf

Als im März 2020 plötzlich die Schüler und Schülerinnen nicht mehr in die Schulen gehen durften und das gesellschaftliche und kulturelle Leben in vielen Bereichen zum Stillstand kam, standen alle Schulen vor demselben Problem: Wie können Lernende und Lehrende auf Distanz gemeinsam weiterlernen.

Dass seit Beginn der Pandemie am Gymnasium Gernsheim Distanzunterricht überhaupt möglich wurde, ist in erster Linie den Informatiklehrern Andreas Olf und Masimo Dietzel zu verdanken, denn sie haben neben ihrer Unterrichtstätigkeit in Windeseile die gesamte Infrastruktur für den Distanzunterricht aufgebaut, organisiert und vor allem ihren Kollegen und Kolleginnen vermittelt.

Über E-mail, Telefon oder Whatsapp lässt sich Distanzunterricht nicht effizient organisieren und mit dem Datenschutz sind solche von „google“ oder „facebook“ betriebenen Dienste ohnehin nicht vereinbar. Zum Glück ist die Lernplattform „Moodle“ am Gymnasium Gernsheim bereits 2008 eingerichtet worden und wurde seitdem auch von einer kleineren Gruppe technikaffiner Lehrerkräfte genutzt. Allerdings war diese Nutzung zu keiner Zeit als ein Ersatz des Präsenzunterrichts gedacht, sondern war eher eine kreative Abwechslung vom normalen, analogen Lernalltag. Die Begeisterung für digitale Lernwege war am Gymnasium Gernsheim also noch eine Nische.

Was ist „Moodle“? Schülerinnen und Schüler erhalten auf der Lernplattform „Moodle“ Zutritt zu einem sogenannten virtuellen Klassenzimmer, wo sie mit Lernmaterialien, Aufgaben oder z.B. auch Übungstests versorgt werden. Über diesen virtuellen Raum können sie außerdem gemeinsam Glossare oder Wiki-Docs verfassen, miteinander chatten oder Fragen an Kursmitglieder richten. Die Zahl der Nutzer am Gymnasium Gernsheim wuchs beständig aber doch langsam an, denn die Vorteile dieser neuen Lernwege sprachen sich in der Schülerschaft und im Lehrerzimmer nur allmählich herum.

Die Schulschließungen im Frühjahr 2020 beendeten adhoc das Nischendasein der virtuellen Klassenzimmer, denn nun brauchten alle Schulmitglieder einen alternativen Lernweg. Die Informatiklehrer Andreas Olf und Masimo Dietzel konfigurierten daher die Lernplattform dergestalt um, dass alle Lehrer, egal mit welchen digitalen Vorkenntnissen, auf einfachem und schnellem Wege Zutritt zu den virtuellen Lernräumen bekamen. Bis zu den Sommerferien waren die Kurse so angelegt, dass jede Klasse einen großen offen Lernraum erhielt, in dem alle Fächer zusammengefasst waren. Somit konnte sichergestellt werden, dass in kürzester Zeit alle Schülerinnen und Schüler Kontakt zu ihren Fachlehrern bekamen. Nach den Sommerferien bekam jede Lehrkraft für jede ihrer Lerngruppen dann ein einzelnes, eigenes virtuelles Klassenzimmer. Ein effizienter Umgang mit Moodle musste von vielen erst erlernt werden. Vor allem die umfangreiche Funktionalität und vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten bereiteten mitunter Kopfzerbrechen. Auch hier halfen erneut Dietzel und Olf mit einer Vielzahl von schulinternen Weiterbildungen, mit selbst erstellten Anwendungsanleitungen und vor allem mit unzähligen Einzelgesprächen, Antwort-Mails oder Whatsapp-Nachrichten. Um die „Not“ mancher Kollegen zu lindern, wurde auch schon mal am späten Sonntagabend noch sachkundig geantwortet.

Das Gymnasium Gernsheim stand genau wie viele andere Schulen vor der Herausforderung, eine stabil funktionierende Lernplattform für hunderte Schülerinnen und Schüler zur Verfügung zu stellen. Sie durfte schlichtweg nicht zusammenbrechen unter der Last von bis zu eintausend gleichzeitig auf sie zugreifende Nutzer. Dazu wurde eigens ein Server angemietet, der diesen Anforderungen gerecht wird. Außerdem wurde das datenschutzkonforme Videokonferenzsystem  „BigBlueButton“ von Olf und Dietzel beantragt und an die Lernplattform angebunden. Auch hierfür waren erneut viele schulinterne Fortbildungen notwendig.

Die gesamte Infrastruktur musste und muss weiterhin laufend aufgeräumt, gewartet und erweitert werden. Dies geschieht üblicherweise am Sonntag Vormittag oder auch mal unter der Woche zwischen 5.30 Uhr und 6.30 Uhr. Neben dieser Aufgabenvielfalt mussten sich die verantwortlichen Informatiklehrer auch selbst noch fortbilden, um die administrativen Aufgaben beim Umbau der Lernplattform „Moodle“ und „BigBlueButton“ zu beherrschen. Dann oblag es Ihnen auch noch, die vom Land Hessen zur Verfügung gestellten 90 neuen Schülertablets für den Einsatz im Distanzunterricht einzurichten. Hinzu kommen aßerdem noch die allwöchentlichen Reparatur- und Wartungsarbeiten an den schuleigenen Smartboards, Beamern, Druckern und die Sicherung und Erweiterung der hauseigenen W-LAN-Netze. Olf und Dietzel ziehen bis jetzt mit Blick auf die Offenheit und Lernbereitschaft des Lehrerkollegiums eine zufriedenstellende Bilanz. Der überwiegende Teil des Lehrerkollegiums ist im Umgang mit der digitalen Lernplattform gut geschult und zum Teil sehr versiert, so dass das Unterrichten auf Distanz bzw. das Kontakthalten möglich geworden ist. Also könnte man resümieren, dass dieser Pandemie auch immerhin etwas Positives abzugewinnen sei: Die Digitalisierung hat endlich Fahrt aufgenommen, wenn wir auch erst am Anfang stehen.

 

 

 


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